Als König Ludwig I. die Walhalla plante, dachte er zunächst an eine zurückhaltendere Fassade, etwa mit Reliefs im Stil des 17. oder 18. Jahrhunderts oder mit einfachen Bronzebuchstaben. 1817 schlug Leo von Klenze eine mutigere Lösung vor: Beide Giebelfelder sollten mit frei stehenden, dreidimensionalen Skulpturen gefüllt werden.
Die Idee knüpfte an antike griechische Tempel und an die Ägineten an, die 1811 ausgegraben und bald darauf von Ludwig für seine Sammlung erworben worden waren. Für klassizistische Künstler boten frei stehende Figuren bessere Proportionen als Reliefs, vermieden die ästhetischen Grenzen flacher Bildwerke und wirkten von unten wesentlich dramatischer.
Martin von Wagner lieferte 1818 frühe Entwürfe. Ludwig versuchte außerdem, den berühmten preußischen Bildhauer Christian Daniel Rauch zu gewinnen. Rauch blieb gegenüber der Zusammenarbeit mit dem anspruchsvollen bayerischen König zurückhaltend und steuerte 1831 nur ein kleines Modell für das südliche Giebelfeld bei.
Die Hauptarbeit übernahm Ludwig Schwanthaler mit seiner Münchner Werkstatt. Durch ein königliches Stipendium unterstützt, studierte Schwanthaler in Rom und fertigte die Gipsmodelle an. Die fünfzehn Marmorfiguren des südlichen Giebelfelds, teils bis zu drei Meter hoch, wurden bis Oktober 1838 ausgeführt und eingesetzt. Das nördliche Giebelfeld folgte und war im Juni 1842 vollendet.
Das südliche Giebelfeld über dem Haupteingang feiert den Deutschen Bund nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Im Zentrum sitzt Germania mit gesenktem Schwert. Personifikationen deutscher Staaten nähern sich ihr mit zurückgewonnenen Grenzfestungen. In den Ecken ruhen Rhein und Mosel als Flüsse, die von fremder Herrschaft befreit sind.
Das nördliche Giebelfeld zeigt die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr. und stellt Arminius, oder Hermann, als historische Parallele zur Niederlage von Napoleons Reich dar. Germanische Krieger stürmen von links heran, angefeuert von einer Seherin und einem Sänger. Rechts stürzt sich Varus in sein Schwert, während ein römischer Soldat im Sumpf versinkt; am Rand versorgt Thusnelda ihren sterbenden Vater.