Johann Gottfried Schadow stammte aus einfachen Verhältnissen und wurde in Berlin als Sohn eines armen Schneiders geboren. Doch er fand seine Berufung als Bildhauer und ging bei Antoine Tassaert in die Lehre, einem Gönner Friedrichs des Großen. Obwohl ihm die Hand von Tassaerts Tochter angeboten wurde, floh Schadow mit der Jüdin Marianne Devidel nach Rom. Erstaunlicherweise billigte Tassaert diese Tat und finanzierte sogar ihren Aufenthalt in Italien.
Schadows Talent und Fleiß zahlten sich aus: 1786 gewann er den Bildhauerpreis der Accademia di San Luca, nachdem er während seines Romaufenthalts von Antonio Canova beeinflusst worden war. 1788 kehrte er nach Berlin zurück und trat Tassaerts Nachfolge als Hofbildhauer und Sekretär der Preußischen Akademie der Künste an. Schadow schuf über 200 Werke unterschiedlichster Stilrichtungen und Sujets, darunter ambitionierte Arbeiten wie Friedrich den Großen in Stettin, Blücher in Rostock und Luther in Wittenberg.
Schadows Porträtstatuen Friedrichs des Großen und das Prinzessinnendenkmal Louise und ihrer Schwester Frederika mit den Prinzessinnen Louise und Federica erfreuten sich großer Beliebtheit. Letzteres wurde jedoch vielfach illegal kopiert, was im September 1795 zu einem vorübergehenden Streit zwischen seinem Gipsmodellierer Beyer und dem Bildhauer führte. Auch Schadows Büsten, darunter siebzehn Kolossalköpfe in der Walhalla in Regensburg, wurden hoch geschätzt, und er schuf über dreißig Kirchendenkmäler und Gedenkstätten.
Obwohl er kaum zu den christlichen Bildhauern gezählt wird, wird Schadow von Klassizisten und Idealisten gleichermaßen geschätzt. Er war Direktor der Berliner Akademie, wo er großen Einfluss ausübte, und schrieb über Themen wie die Proportionen der menschlichen Figur und die nationale Physiognomie. Schadows Interesse an der Physiognomie belegt die Zeichnung, die er von Harry Maitey, dem ersten Hawaiianer in Preußen, anfertigte.
Schadow pflegte eine Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe und schuf zwölf Bronzemedaillen des berühmten Dichters. 2009 wurde eine dieser Medaillen vom Goethe-Institut an Dr. Daisaku Ikeda in Anerkennung seiner Verdienste um den Frieden und Goethes Philosophie verliehen.
Schadow starb 1850 in Berlin und hinterließ seinen Söhnen Rudolph und Friedrich Wilhelm ein bedeutendes Erbe. Rudolph war als Bildhauer, Wilhelm als Maler tätig. Heute sind einige von Schadows Skulpturen und Büsten in der Friedrichswerderschen Kirche und der Alten Nationalgalerie in Berlin ausgestellt.